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Ein EtikettendRucker Neben Einem auf Metall Angebachsen, Gelben Warnetikett.

Stromunfälle: Wie Unternehmen ihr Personal schützen können

Das Institut zur Erforschung elektrischer Unfälle der Berufsgenossenschaft ETEM verzeichnete 2019 allein bei seinen Mitgliedsunternehmen über 4.000 Stromunfälle. Etwa die Hälfte der Vorfälle sei darauf zurückzuführen, dass fundamentale Sicherheitsregeln missachtet werden, heißt es. Zu den Opfern zählen vornehmlich Personen mit wenig Praxiserfahrung, viele Unfälle lassen sich somit allein durch eine bessere Aufklärung vermeiden.

Das Institut zur Erforschung elektrischer Unfälle der Berufsgenossenschaft ETEM (Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse) untersucht seit 1966 betriebliche und industrielle Stromunfälle in Deutschland auf ihre medizinischen und sicherheitstechnischen Aspekte. Die aktuellen Zahlen zu gemeldeten Stromunfällen und Todesfällen schließen das Jahr 2020 mit ein. Die veröffentlichten Detailanalysen zu Unfallort und Betroffenen beziehen sich derzeit noch auf den Zeitraum von 2015 bis 2019.  

Demnach traten in den letzten Jahren kaum tödliche Unfälle auf, seit 2016 gab es nur ein bis fünf Todesopfer pro Jahr. Das heißt aber nicht, dass die Arbeit mit elektrischen Geräten und Anlagen ungefährlich ist. Der Berufsgenossenschaft werden im Schnitt jährlich 3.800 Stromunfälle gemeldet, von denen etwa 17 Prozent meldepflichtig sind. Somit fielen jedes Jahr rund 650 Personen aufgrund eines Stromunfalls für mehr als drei Tage an ihrer Arbeitsstelle aus. Dabei handelt es sich nicht um leichte Stromschläge, sondern um Unfälle mit zum Teil schweren Verbrennungen, Knochenbrüchen oder Herzrhythmusstörungen. 

Wo die meisten Unfälle auftreten und wen es trifft 

Zu den Stromunfällen zwischen 2015 bis 2019 haben die Forscher über Detailanalysen ermittelt, dass  87,9 Prozent der Stromunfälle im Niederspannungsbereich und nur 1,3 Prozent im Hochspannungssegment geschahen. Weitere wurden zum Beispiel durch Blitzeinwirkung oder Kondensatorentladung  verursacht. Außerdem betrafen die Zwischenfälle am häufigsten Kleininstallationen (46 Prozent). Bei Großinstallationen inklusive Industriemontagen waren es nur 8,5 Prozent der Unfälle. Eine weitere Statistik zeigt, dass die Vorfälle vor allem bei Arbeiten an der Stromverteilung (43 Prozent) geschahen sowie aufgrund von Defekten an allgemeinen Verbrauchern (17 Prozent). Als Unfallopfer verzeichnete die Berufsgenossenschaft zwischen 2015 und 2019 rund 70 Prozent Personen mit keiner oder geringer fachlicher Ausbildung sowie Fachpersonal mit wenig Berufserfahrung. Dabei handelte es sich um 20,9 Prozent Laien, 29,7 Prozent elektrotechnisch unterwiesene Personen und 48,2 Prozent Elektrofachkräfte, wobei bei den Fachkräften diejenigen mit wenig Berufserfahrung (bis maximal fünf Jahre) 40 Prozent der Unfälle verursachten.

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Warum es für Sicherheitsregeln keine Ausnahmen gibt  

Hinzu kommt, dass in etwa der Hälfte der Fälle mindestens eine von fünf Sicherheitsregeln der DIN VDE 0105 nicht eingehalten wurde. Dies betrifft insbesondere die erste („Freischalten“) und die dritte Regel („Spannungsfreiheit feststellen“), die bei 26 Prozent beziehungsweise 28 Prozent der Missgeschicke missachtet wurden.  

Das heißt konkret: Der Hausmeister hat ein Leuchtmittel gewechselt, ohne vorher die Sicherung herauszunehmen. Ein Fachelektriker hat eine Maschine gewartet, ohne sie vorher stromlos zu stellen. Beim Anschließen von Leitungen testete der Elektriker vorher nicht mit einem Spannungsprüfer, ob in den beteiligten Leitungen noch Strom fließt. 

Manchmal müssen für Wartungsarbeiten an einem Verteiler Schutzvorrichtungen entfernt werden, damit die Anlage zugänglich ist. Wenn dann das Wartungspersonal die spannungsführenden Elemente im Umfeld nicht richtig abdeckt (fünfte Regel), kann die Person mit ihrem Werkzeug diese versehentlich berühren. Die Folge: Verbrennungen an den Händen. 

Das Einhalten der Sicherheitsregeln nach DIN VDE 0105 für Arbeiten in und an elektrischen Anlagen ist elementar und sollte nicht aus Zeitmangel, Routine oder Unachtsamkeit unter den Tisch fallen.  

Die fünf Sicherheitsregeln für Arbeiten in und an elektrischen Anlagen 

1. Freischalten 
Die Anlage allpolig vom Stromnetz trennen (Schutzschalter oder Hauptschalter abschalten). 

2. Gegen Wiedereinschalten sichern 
Spezielle Schlösser oder zum Beispiel Absperrungen mit entsprechenden Beschriftungen verhindern
ein irrtümliches Einschalten einer Anlage, an der gerade gearbeitet wird.  

3. Spannungsfreiheit feststellen 
Mit einem geeigneten Messgerät (zweipoliger Spannungsprüfer) die Spannungsfreiheit allpolig
ermitteln.  

4. Erden und kurzschließen (ab 1-kV-Anlagen) 
Alle Leiter müssen zum Beispiel mit einer Erdungsstange oder einem anderen geeigneten Mittel
kurzgeschlossen und geerdet werden, damit die vorgeschaltete Sicherheitseinrichtung bei
irrtümlichem Einschalten auslöst. 

5. Vor Berührung schützen  
Benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken (ab 1-kV-Anlagen), damit
die arbeitenden Personen nicht mit diesen in Berührung kommen können. 

Weshalb Schulungen im Dialog mehr Wirkung zeigen  

Die Zahlen zeigen, dass viele Opfer von Stromunfällen unerfahrene Beschäftigte sind. Hier hilft eine ausführliche Einweisung in Kombination mit regelmäßigen Schulungen im Bereich Elektrosicherheit. Dabei sollte immer wieder darauf hingewiesen werden, dass Niederspannungsanlagen vielleicht nicht lebensgefährlich sind, aber trotzdem die Ursache für schwere Unfälle sein können. Außerdem rät das Institut zur Erforschung elektrischer Unfälle dazu, den regelmäßigen Sicherheitsveranstaltungen einen Dialogcharakter zu geben, sich über aktuelle Gegebenheiten in der Praxis auszutauschen und immer wieder bei den Teilnehmern nachzufragen. Persönliche Ansprache und Praxisbezug erhöhen die Aufmerksamkeit.  

Wie Sie plakativ auf Sicherheit aufmerksam machen 

Zu den elementaren Lerninhalten zählen die fünf Sicherheitsregeln. Aus diesem Grund sollten Unternehmen für eine optische Präsenz dieser Grundlagen im Alltag sorgen. Das können optisch auffällige Hinweisschilder oder Aufkleber direkt an Anlagen sowie in Räumen mit Kleininstallationen sein. 

Darüber hinaus müssen in Gefahrenbereichen auffällige Warnzeichen angebracht werden. Dazu zählen zum Beispiel die Schilder mit dem Symbol für gefährliche elektrische Spannung oder Verbotsschilder wie „Zutritt für Unbefugte verboten“. Um eine Fehlbedienung als Unfallursache zu vermeiden, sollten Firmen klare Anweisungen zur Verwendung der Geräte und Anlagen direkt am Bedienfeld anbringen. Hier eignen sich Etiketten oft am besten. 

Geräte und Anlagen mit regelmäßigen Wartungsintervallen benötigen einen gut sichtbaren Hinweis zu Wartungszeiträumen und letzter Wartung, falls die Instandhaltung nicht IT-basiert erfolgt. Das reduziert Unfälle durch defekte oder beschädigte Geräte und lässt sich ebenfalls gut per Etikett bewerkstelligen. Beim Arbeiten an einer Anlage sollte das Fachpersonal auffällige Warnhinweise dabeihaben, die es direkt an der Maschine oder Anlage anbringen kann. Das macht deutlich, dass an dieser Anlage momentan gearbeitet wird und diese derzeit nicht angeschaltet werden darf. Ähnliche Hinweise bieten sich auch für abgedeckte oder abgesperrte Anlagen in der Umgebung an.

Mit diesen Maßnahmen lassen sich Unfälle durch Unwissenheit oder Unachtsamkeit in der täglichen Arbeit reduzieren. Die Hinweise können in Form von Schildern oder Etiketten erfolgen, wobei Etiketten mehr Flexibilität bieten und meist schneller verfügbar sind.

Grafiken zu den Statistiken stehen hier zum Download bereit.

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